5 häufige Fehler in Workshops… and how to fix them

Du liebst deinen Job! Du veranstaltest unheimlich gerne Seminare, Workshops und Trainings. Und gibst alles dafür, sie perfekt durchzuführen.

Du bist Experte für deine Inhalte, kennst deinen Ablauf, dein Methodenkoffer ist prall gefüllt und deine Präsentationen perfekt ausgearbeitet.

Und doch denkst Du manchmal: Ist nicht vielleicht noch etwas Luft nach oben?

Dieser Artikel ist ein Plädoyer, ein Stück weit den komplett geraden Pfad der Wissensvermittlung per Frontalvortrag und Powerpoint zu verlassen und mehr Kreativität, Bewegung und Interaktion zuzulassen, um maximalen Nutzen für die Teilnehmer zu generieren. Und hier sind die 5 Fallen:

1- Die Inhalte sind nicht relevant genug
2- Zu viel Inhalt
3- Zu wenig Bewegung
4- Zu wenig Spaß für die Teilnehmer
5- Zu wenig aktive Beteiligung

Immer und immer wieder habe ich erlebt, dass selbst Profis im Workshop Geschäft in diese Fallen tappen. Und das obwohl sie sie eigentlich kennen. Wenn Du diese Fallen in deinen Workshops beseitigst, kommst Du einer wirklich runden Veranstaltung wieder einen Schritt näher!

1. Deine Inhalte sind nicht relevant genug

Gehirn Relevante Inhalte

Stell Dir vor, Du wärst stolzes Herrchen eines Dackels! In deiner Nähe findet ein Vortrag zu den optimalen Bedingungen der Hundehaltung statt. Du bist interessiert!

Während des Workshops geht es zuerst einmal um Hunde im Allgemeinen und ab der Hälfte nur noch um Dalmatiner. Wie sieht Deine Reaktion auf den Vortrag aus? Bist Du begeistert? Eventuell ja, weil der Redner wirklich gut war. Aber eigentlich hättest Du ganz gerne Infos zur Dackelhaltung gehabt…

Aber zurück zum Thema. Was das (zugegebenermaßen recht weit hergeholte) Beispiel mit Deinen Workshops zu tun hat? Eine Menge! Warum? Weil Du im obigen Beispiel entweder das falsche Publikum für den Referenten warst oder der Redner nicht der Richtige für sein Publikum.

Will heißen: Sollen deine Inhalte beim Publikum ankommen, müssen Sie genau auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt sein, sonst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du die Bedürfnisse Deiner Zuhörer nicht triffst. Das führt auch beim sympathischsten Referenten zu nicht ganz zufriedenen Teilnehmern. Und nicht ganz zufriedene Teilnehmer sind keine begeisterten Teilnehmer. Und die empfehlen Dich nicht weiter.

Deine Inhalte müssen also perfekt auf Deine jeweilige Zielgruppe abgestimmt sein. Nur so lieferst Du dem Publikum einen Mehrwert. Das bedeutet: Es gilt also schon vor dem eigentlichen Workshop, heraus zu finden, wer genau deine Teilnehmer sein werden und welche Fragen Ihnen am dringendsten am Herzen liegen.

Und so gehts:

Glücklicherweise leben wir in einer Zeit, in der sich solch eine Abfrage recht leicht online durchführen lässt. Ich nutze dafür ein Tool namens Polleverywhere.com, das ich in einem separaten Beitrag noch einmal ausführlich vorstellen werde.

Es ermöglicht nicht nur Live-Interaktion während des Workshops, sondern erleichtert auch das Ausgraben von Interessen und Fragen des Publikums im Vorfeld einer Veranstaltung.

Es gibt auch Alternativen am Markt, aber für mich hat sich dieses Tool wirklich als das perfekte Vehikel für Abfragen jeglicher Art heraus kristallisiert. Eine Alternative dazu könnte Meebility sein, das ich bis jetzt leider noch nicht ausprobieren konnte. Einen ausführlichen Artikel zu interaktiven Workshops mit Poll Everywhere findest Du hier.

2. Du willst zu viel auf einmal in die Gehirne deiner Teilnehmer quetschen

Zu viel Wissen in die Gehirne quetschenHast Du schon einmal erlebt, wie die magische Zahl sieben auf dich einwirkt? Bestimmt! Aber wahrscheinlich nur unbewußt! Wo und wann das passiert sein könnte? Beim Ansehen von Werbung zum Beispiel oder wieder mal in einem Workshop.

Was hat es mit der magischen 7 auf sich?

Warum das so ist? Die Zahl 7 kommt in vielen Zusammenhängen (8) immer wieder vor. Unter anderem beschreibt sie die Limitierung der Kapazität unseres Arbeitsgedächtnisses. Das Arbeitsgedächtnis (*1) ist in der Lage 7 (+/-2) Informationshappen auf einmal au zu nehmen. Alles was darüber hinausgeht wird nicht nur nicht wahrgenommen, es führt sogar dazu, dass das System überlastet und runterfährt.

Die Folge: Es geht nichts mehr rein und auch die bisher aufgenommenen Brocken gehen wieder verloren. Das gilt in der Werbung genauso wie in Trainings, Workshops und Seminaren. Für die Umsetzung im Alltag hat das zu Folge: Informationen in kleinen, leicht verdaulichen Häppchen zu servieren und dabei die magische 7 beachten.

Informationen benötigen vorhandenes Wissen, um anzudocken.

Was ist Deine Lieblingsserie? Game of Thrones? Lie to me? Friends? How i met your mother? Hängt höchstwahrscheinlich davon ab, wie alt Du bist und welche Interessen Du hast!

Aber egal, Du wirst in Sachen Handlung und Charaktere ziemlich gut im Bilde sein. Wenn Dir jemand von „TED aus How i met your mother“ und seinen neuesten Liebesabenteuern erzählt, wirst Du das ziemlich genau einordnen können.

Bist Du allerdings glühender Anhänger von Lie to me und hast noch niemals „How i met your mother“ gesehen, wirst Du mit dieser Information nichts anfangen können.

Du siehst, worauf es hinausläuft: Neue Informationen benötigen vorhandenes Wissen, um anzudocken! Die Wahrscheinlichkeit, dass neue Informationen ihren Weg ins Langzeitgedächtnis finden steigt, je relevanter sie sind, je besser sie zugeordnet werden können und je öfter sie wiederholt werden(2, 7).

Was dagegen hilft?

  • Geschichten und anschauliche Beispiele. Statt immer alles zu erzählen, was man weiß, lieber kleine, die Neugier weckende Häppchen servieren. So kann das Publikum bei den wirklich interessanten Punkten selbst aktiv werden und nachfragen.
  • Informationen in gehirngerechte Häppchen à wenige Minuten teilen und dann durch passende Übungen und Aufgaben vertiefen.
  • Lieber nur einen Punkt behandeln und diesen detailliert darstellen. Allerdings in nicht mehr als 7 Informationseinheiten.
  • Die Inhalte an den Stand der Teilnehmer anpassen, damit die neuen Informationen an bereits vorhandene „andocken“ können.
  • Wiederholung der vermittelten Informationen auf verschiedene Arten.

 

3. Zu wenig Bewegung

Zu wenig Bewegung im Workshop

Natürlich wollen wir im Workshop möglichst viel unter Kontrolle haben, damit möglichst wenig schief gehen kann. Die Wahrheit ist: Oft führt dieses Kontrollbedürfnis, zumindest bei mir, nur zu einer Sache: Langeweile.

Eines unserer Lernsysteme, das Beobachtungslernen (4), sorgt dafür, dass wir über visuelle und auditive Reize eine Menge Informationen aufnehmen können. Babies lernen zum Beispiel durch Beobachtung.

Im nächsten Schritt probieren sie es allerdings aus und erweitern das Gelernte durch eigene Erfahrung: Durch die Rückmeldung ihres Körpers und der Außenwelt.

Daher gilt es auch in Workshop, Training und Seminar möglichst viele Modalitäten anzusprechen. Statt dem Publikum nur audio-viuselle Reize (a.k.a Powerpoint-Präsentationen) zu bieten, empfiehlt es sich, Situationen zu erschaffen, in denen sich die Teilnehmer sich bewegen, etwas kreieren und selber ins tun kommen.

Körperliche Bewegung bringt den Kreislauf und damit auch das Gehirn in Schwung und erleichtert die Aufnahme von neuen Informationen (3).

Was kann man tun, um Bewegung in die Veranstaltung zu bringen?

  • Emotional bewegen: Storytelling. Ich kann Dir leider gar nicht so genau sagen, wie gutes Storytelling funktioniert und es wäre sicher einen komplett eigenen Beitrag wert. Zum Glück ist die Welt klein und Nancy Duarte hat hier schon einen dazu geschrieben! Einen meisterhaften Storyteller in seinem Element kannst Du sehen, wenn Du Dir den TED-Talk von Rory Sutherland ansiehst.
  • Körperlich bewegen: Auflockerung durch Gamification, game-based-learning oder Networking-Spiele. Einfache, kurze und im besten Fall themenbezogene Energizer oder Quizzes.
  • Geistig bewegen: Fragen stellen, selber denken und entdecken lassen. Beispielsweise, indem man das Publikum mit einem Spiel ein Thema selbst entdecken lässt. Oder die Inhalte von Teilnehmern selbst erarbeiten lässt. Klingt erstmal etwas schräg. Schließlich seid Ihr ja die Experten für das Thema. Allerdings gewährleistet man so eine viel intensivere Beschäftigung mit dem Thema. So entstehen tiefere Einblicke und es kommen ganz andere Fragen auf. Das ganze lässt sich dank moderner Technik auch mit sehr hohem Aufforderungscharakter gestalten, beispielsweise mittels „Tawe„.

 

4. Zu wenig Humor und Spaß

Hast Du schonmal versucht Dir unter Zeitdruck und Stress neues Wissen anzueignen? Höchstwahrscheinlich warst Du davon irgendwann recht gestresst, weil es nicht funktioniert hat.

Hast Du im Gegenzug schon mal ein spannendes Buch gelesen, von dem Du nicht genug bekommen konntest, weil es dich berührt hat und zum Lachen gebracht hat? Konntest Du Familie und Freunden vom Inhalt des Buches erzählen und ihn ziemlich genau wiedergeben?

Was ich damit versuche zu verdeutlichen: Anspannung und Stress sind nicht unsere besten Freunde, wenn es um die Aufnahme von Lerninhalten geht. Humor und Lachen versetzten uns dagegen in einen entspannten, lockeren Zustand. Und in diesem Zustand sind wir aufnahmebereit, leistungsfähig und kreativ.

Dazu kommt noch, dass die Wissenschaft herausgefunden hat, dass wir Informationen am besten dann aufnehmen und auch behalten, wenn sie mit Informationen verknüpft sind. Da deine bevorzugte Emotionen für Workshops wahrscheinlich weder Ärger noch Angst, Wut oder Enttäuschung sind, empfehle ich an dieser Stelle die Freude.

In seinem TED-Talk: „Hey science teachers – make it fun“ erklärt Tyler deWitt, wie wichtig es ist, seine Zuhörer zu fesseln und eine emotionale Verbindung herzustellen. Inhalte für das Publikum so verständlich zu verpacken, dass sie Spaß machen, statt sie trocken bis ins letzte kleinste Detail zu erklären.

Spaß und Humor machen Veranstaltungen erst so richtig rund und sorgen für eine angenehme Atmosphäre (5):

Einige geniale kleine Beispiele dafür, wie Spaß das Verhalten von Menschen beeinflußen kann findest Du bei TheFunTheory. Hier eines der Videos der Website:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=2lXh2n0aPyw

 

5. Du vergisst, Dein Publikum aktiv einzubinden

Obwohl die meisten Referenten wissen, wie wichtig (5) es ist, das Publikum aktiv einzubinden, vergessen sie es. Ob vor lauter Themen die sie gerne vermitteln möchten oder weil sie wenig Erfahrung damit haben. Warum es wichtig ist mit dem Publikum zu interagieren? Verschiedene Dinge:

Wieder mal unsere kurze Aufmerksamkeitsspanne: Lauschen wir 10 Minuten am Stück der gleichen Stimme sinkt unsere Aufmerksamkeit rapide. Wenn wir wirklich etwas mitnehmen wollen müssen wir aktiv werden können statt nur passiv zu konsumieren.

Das kann auf verschiedenen Arten geschehen: Indem wir unsere Fragen loswerden, unsere Meinung kundtun oder aktiv mitdenken, Ideen beisteuern oder über eine Lösung grübeln. Wissenschaftliche Studien haben zudem herausgefunden, dass 2-Wege-Konversationen (statt Ein-Weg-Beschallung) beim „synchronisieren“ unseres Gehirns mit dem unseres Gegenübers unterstützt.

Und so gehts:

  • Input von vorne maximal 10 Minuten am Stück
  • Lass das Publikum Fragen beantworten: Wer von Ihnen hat schon einmal… heben Sie die Hand und…  (Siehe  TED-Talk von Tony Robbins!)
  • Baue Überraschungen ein: Wie im Beispiel von Carmine Gallo (5) beschrieben: Ein Umschlag liegt in der Mitte des Raumes. Er darf vom Publikum erst geöffnet werden, wenn Du sie dazu aufforderst. Darin ist ein Zettel mit einer Geschichte enthalten, die jemand aus dem Publikum vorliest. Deiner Kreativität sind hier natürlich keine Grenzen gesetzt.
  • Abstimmungen & Quizzes: Lasse dein Publikum rätseln.
  • Stelle kontroverse Thesen auf und lade dein Publikum zur Diskussion ein.
  • Baue eine Q&A-Session ein.: So kann das Publikum seine Fragen an Dich loswerden und Du erhöhst nochmal Relevanz und Wert für deine Teilnehmer.

Natürlich gibt es noch jede Menge andere Möglichkeiten, dein Publikum aktiv einzubinden. Einige davon stelle ich demnächst in einem separaten Artikel vor.

 

Gib mir Rückmeldung!

Natürlich interessiert mich was Ihr denkt, wie Euch der Artikel gefällt, ob etwas fehlt und Wie Eure Erfahrungen mit den 5 Punkten sind.

Lasst uns also in den Kommentaren unten daran teilhaben!

 

*Literatur/Quellen

(1)Arbeitsgedächtnis: Alan Baddeley (2012). Working Memory: Theories, Models, and Controversies. Annual Review of Psychology, Vol.63:1-591 .

(2) neue Erinnerungen an schon vorhandene andocken:

(3) Why learning ist not all in your head

(4) Lernen am Modell:

(5) Lernen findet im Gehirn statt

(6) Carmine Gallo: Why powerpoint presentations always die after ten minutes and how to rescue them.

(7) Prior knowledge is essential for the beneficial effect of targeted memory reactivation during sleep

(8) What´s magic about magic numbers? Chunking and data compression in short-term memory

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